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Eine Gelsenkirchenerin blickt dankbar zurück

Gelsenkirchen-Ückendorf, 21. Januar 2026 | Lt. Volker Bruckmann

Wer Elisabeth Lindenblatt begegnet, nimmt sofort ihre Gelassenheit und Herzlichkeit wahr. An ihrem heutigen 102. Geburtstag sitzt man einer Frau gegenüber, die Zufriedenheit und Zuversicht ausstrahlt – und deren Leben untrennbar mit Gelsenkirchen verbunden ist.

In Rotthausen geboren und aufgewachsen, fand sie nach ihrer Hochzeit im Jahr 1948 in Ückendorf ihr neues Zuhause. Dort lebt sie bis heute. „Ich hatte hier ein gutes Leben“, sagt sie lächelnd, und fügt hinzu: „Manchmal kann ich selbst kaum glauben, dass ich schon 102 Jahre alt bin.“ Als jüngstes von sechs Kindern hat sie viele Weggefährten verloren, doch ihre Erinnerungen sind von Dankbarkeit und Wärme geprägt.

Ein Leben geprägt von Arbeit und Pflichtbewusstsein

Prunk oder Wohlstand spielten in ihrem Leben keine Rolle. Stattdessen bestimmten Fleiß, Verantwortung und Durchhaltevermögen ihren Alltag. Sie kümmerte sich um ihre Mutter und Schwiegermutter, arbeitete als Verkäuferin im Tapetengeschäft Ullmann an der Hauptstraße, war als Straßenbahnschaffnerin tätig und später bei C&A. Klagen hörte man von ihr nie. Bemerkenswert: Bis heute musste sie noch kein Krankenhaus von innen sehen.

Nach ihrer Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft heiratete sie ihren Mann, doch 1992 verstarb er. Gemeinsam zogen sie eine Tochter und einen Sohn groß. Der Tod ihres Sohnes im vergangenen Jahr schmerzte sie besonders. Einige Male wurde sie für dessen Ehefrau gehalten – eine Verwechslung, die sie stets mit einem augenzwinkernden Lächeln hinnahm.

Geprägt von Entbehrung – getragen von Stärke

Die Kriegs- und Nachkriegsjahre waren für sie eine Zeit des Mangels und der Unsicherheit. Bombennächte, Lebensmittelkarten und Verzicht gehörten zum Alltag. Dennoch habe sie immer versucht, „das Beste daraus zu machen“. Bitterkeit hatte in ihrem Herzen keinen Platz.

Ein einfaches Rezept für ein langes Leben

Nach dem Geheimnis ihres hohen Alters gefragt, bleibt sie bescheiden: gesunde Ernährung, viel Fisch, kein Alkohol und ein Leben ohne Zigaretten. Sie habe nie viel Aufhebens um sich selbst gemacht, aber stets gut auf sich geachtet.

Heute genießt Elisabeth Lindenblatt die kleinen Freuden des Alltags: einen Spaziergang, ein nettes Gespräch, eine Tasse Kaffee am Morgen. „Ich bin dankbar für jeden Tag, der mir noch geschenkt wird“, sagt sie.

Und wer ihr zuhört, glaubt ihr jedes Wort: Eine Gelsenkirchenerin mit starken Wurzeln, feinem Humor und einer Lebensfreude, die selbst mit 102 Jahren nichts von ihrer Kraft verloren hat.

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