LOST PLACES Gelsenkirchen-Ückendorf
Vergessene Orte im Kreativ.Quartier
Almaring / Motodrom Gelsenkirchen

Almastraße (Ende), 45886 Gelsenkirchen-Ückendorf
Wer sich heute am Ende der Almastraße durch dichten Bewuchs drückt, findet einen der kuriosesten Lost Places des Ruhrgebiets: den Almaring – ein von der Natur zurückgerobter Autorennkurs auf dem Brachgelände der ehemaligen Kokerei Alma.
1969 von Anton Brenner und der Rheinländischen Altwagen-Gemeinschaft (RAG) auf dem frisch geräumten Kokereigelände angelegt, war der Almaring eine Asphaltbahn von 750 m Länge und 7,5 m Breite – kein Oval, sondern ein eigenwilliger Kurs mit überraschenden Kurven. In seiner Blütezeit in den frühen 1980er Jahren gingen bis zu 200 Fahrer pro Renntag in acht Klassen an den Start. Zuschauer kamen von weit her, und selbst ohne Führerschein durfte man gegen Prämie mitfahren.
1984 beendeten Lärmbeschwerden den Betrieb. Seitdem hat die Natur die Strecke zurückerobert: Asphalt bröckelt, Birken wachsen durch den Belag, Reifenstapel vermodern, und nummerierte Betonpodeste stehen verlassen im Gestrüpp. Die Startaufstellung ist noch zu erahnen. Ein Abzweig verbindet den Almaring mit dem Radweg der Kray-Wanner-Bahn – und macht ihn so zum einzigen Lost Place im Ruhrgebiet mit direktem Bahntrassenanschluss.
Bahnhof Gelsenkirchen-Wattenscheid

Am Bahnhof, 45886 Gelsenkirchen-Ückendorf
Der Bahnhof Gelsenkirchen-Wattenscheid ist einer der stillen, vergessenen Lost Places auf der Grenze zwischen Gelsenkirchen und Bochum-Wattenscheid – und gleichzeitig ein eindrucksvolles Denkmal der frühen Eisenbahngeschichte des Ruhrgebiets.
Am 15. Dezember 1867 von der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft eröffnet, diente er zunächst dem Güterverkehr, ab 1868 auch dem Personenverkehr. Das massige Empfangsgebäude aus Backstein – eines der ältesten noch erhaltenen Bahnhofsgebäude im Gelsenkirchener Stadtgebiet – stammt aus der Bauzeit um 1867. Die Geschichte des Namens ist turbulent: Ückendorf-Wattenscheid, Wattenscheid, Gelsenkirchen-Wattenscheid – jeder Namenswechsel spiegelt eine politische Reibung zwischen den Städten wider.
1960 wurde der Personenverkehr eingestellt, 1976 die Güterabfertigung. Die Gleise in Richtung Gelsenkirchen Hauptbahnhof wurden in den 1960er Jahren abgebaut. Das Gebäude steht seitdem leer – mit leeren Fenstern, überwucherten Gleisbetten und dem Charme einer vergangenen Reisekultur. Der Heimatbund Gelsenkirchen e.V. hat die Unterschutzstellung als Baudenkmal beantragt.
Wer hier steht, spürt: Hier fuhren einmal Züge – und Menschen hatten Ziele.
Bunker Bochumer Straße

Bochumer Straße, 45886 Gelsenkirchen-Ückendorf
Mitten auf der Bochumer Straße in Gelsenkirchen-Ückendorf steht er wie ein stummes Monument aus dem Zweiten Weltkrieg: der Hochbunker Bochumer Straße – im Volksmund auch „BuBuBo“ (Bunter Bunker Bochumer Straße) genannt.
Erbaut Anfang der 1940er Jahre nach den Planungen des Luftschutzprogramms der Stadt Gelsenkirchen, bot der massige Stahlbetonklotz im Luftkrieg Tausenden Zivilisten Schutz vor dem Bombenhagel. Ückendorf gehörte neben Scholven zu den am schwersten bombardierten Stadtteilen Gelsenkirchens – allein am 17. Januar 1945 gingen über 2.600 Brand- und Sprengbomben auf das Viertel nieder.
Nach dem Krieg stand der Bunker zunächst leer, wurde zeitweise zweckentfremdet genutzt und verfiel schließlich. Seit vielen Jahren thront er ungenutzt zwischen Wohnhäusern und Gewerbebauten. Seine wuchtige Fassade aus unbewehrtem Sichtbeton ist heute mit Graffiti bedeckt und zieht Urbex-Fotografen aus dem ganzen Ruhrgebiet an. Der Bunker gilt als eines der markantesten und zugleich ungenutzten Relikte der Kriegsgeschichte im Kreativquartier Ückendorf.
Verwaltungsgebäude Kokerei Alma

Almastraße 81/87, 45886 Gelsenkirchen-Ückendorf | Denkmalschutz seit 1987
An der Almastraße 81/87 in Gelsenkirchen-Ückendorf verbirgt sich hinter dichtem Wildwuchs eines der eindrucksvollsten und zugleich traurigsten Lost Places des Ruhrgebiets: das denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude der einstigen Zentralkokerei Alma.
Errichtet 1927/28 von den Stararchitekten Fritz Schupp und Martin Kremmer im Stile des Backsteinexpressionismus – einem ihrer frühen Meisterwerke noch vor der berühmten Zeche Zollverein – war das Gebäude Herzstück einer der modernsten Kokereien seiner Zeit. Täglich verarbeiteten 350 Arbeiter hier bis zu 2.100 Tonnen Kohle zu Koks. 1963 wurde die Kokerei stillgelegt, alle Betriebsgebäude sofort abgerissen – nur das Verwaltungsgebäude blieb stehen.
1982/83 mit Landesmitteln restauriert und kurz von einer Druckerei genutzt, steht es seit dem 8. Oktober 1987 auf der Denkmalliste – und seitdem auch im Kampf mit der Zeit. Scheiben sind eingeschlagen, Putz bröckelt, Vandalen haben ganze Arbeit geleistet. Das Erdreich ist kontaminiert, ein Blindgänger musste entschärft werden. Nach dem Tod des letzten Eigentümers 2008 erbte das Land NRW das Anwesen.
Die symmetrische Backsteinfassade mit ihren vier senkrechten Mauervorsprüngen, der alten Bahnaufsicht mit Uhr auf dem Dach und den Resten der abgerissenen Mannschaftsbrücke über die Gleise lassen erahnen, was hier einst war. Heute verläuft auf dem Bahndamm dahinter ein Radweg.
Zeche Rheinelbe

Virchowstraße / Rheinelbestraße, 45886 Gelsenkirchen-Ückendorf
Das Gelände der Zeche Rheinelbe in Gelsenkirchen-Ückendorf ist ein faszinierendes Zeugnis des Ruhrbergbaus – teils belebt durch Nachnutzung, teils stiller Lost Place mit greifbarer Geschichte.
1848 begann die Erkundung, 1861 die erste Förderung – mit gewaltigen Schwierigkeiten: Bis zu 50 Kubikmeter Wasser pro Stunde strömten in die Schächte. Auf dem Höhepunkt war Rheinelbe die größte Zeche im Ruhrgebiet. 1928 endete die Förderung. Die meisten Gebäude wurden abgerissen – nur die Maschinenhalle, einige Verwaltungsgebäude und das Fördermaschinengebäude blieben stehen.
Heute wandert man über das Haldengelände durch ein stilles Niemandsland aus überwachsenen Betonplatten, Schachtabdeckungen im Rasen und alten Fundamenten. Schacht 1 ist an einer Betonplatte in der Rasenfläche neben der ehemaligen Maschinenhalle erkennbar – markiert durch eine Infotafel. Schacht 6 liegt in der Grünanlage des heutigen Wissenschaftsparks. Vom einstigen Fördergerüst über Schacht 3 – einer einmaligen pyramidenförmigen Konstruktion – ist nichts mehr übrig.
Überformt und doch noch spürbar: Herman Priganns Skulpturenwald mit der Himmelstreppe aus Betonquadern der Zeche Scharnhorst hat dem Gelände seit den 1990er Jahren eine neue, archaische Würde verliehen.