Architektur Gelsenkirchen-Ückendorf
Heilig-Kreuz-Kirche Architektur | Gelsenkirchen Ückendorf

Die Heilig-Kreuz-Kirche (Bergmannstraße / Bochumer Straße / Heidelberger Straße, 45886 Gelsenkirchen) gilt als Hauptwerk des Backsteinexpressionismus im Ruhrgebietund als eines der bedeutendsten Kirchenbauwerke der frühen Moderne in Deutschland.
Entworfen vom Gelsenkirchener Architekten Josef Franke (18761944), wurde sie,1927 bis 1929 als Stahlbetonkonstruktion mit Klinkerverkleidung errichtet.
Das prägende Gestaltungselement ist die Parabel: Sie dominiert den 41 Meter hohen Hauptturm mit seinem eingeschnittenen Parabelbogen, die beiden flankierenden Glockentürme, das massive Kruzifix aus Backstein nach einem Entwurf von Hans Meier sowie den gesamten Innenraum. Das Kirchengewölbe bildet eine 19 Meter hohe und 17 Meter breite hyperbolisch geformte Tonne aus Eisenbeton. Die Wände werden durch
großformatige Buntglasfenster mit parabelförmigen Laibungen gegliedert und erhalten so trotz der kubischen Schwere außen ein farbreisches Licht im Inneren.
Im starken Kontrast zu dem dunklen, fabrikartigen Äußeren das an Kraftwerks- oder Industriebauten erinnert steht der farbig ausgemalte Innenraum von Andreas Ballin mit seiner überraschend schwungvollen Raumwirkung. Der nach der Profanierung 2007 und dem Umbau 20182021 durch pbs Architekten (Aachen) entstandene Veranstaltungssaal für bis zu 800 Personen lässt die Parabelbögen und die originalen Ausstattungselemente bewusst erlebbar.
Denkmalschutz seit 1986 | Adresse: Bochumer Straße / Bergmannstraße, 45886 GE
Thomas-Morus-Kirche Architektur | Gelsenkirchen Ückendorf

Das Pfarrzentrum St. Thomas Morus (Holtkamp 40, 45886 Gelsenkirchen-Ückendorf)wurde von 1962 bis 1966 nach Plänen des Kölner Architekten Gottfried Böhm(19202021) errichtet dem einzigen deutschen Pritzker-Preisträger. Der Turm entstand 1977/78 nach Böhms Entwurf unter der Leitung von Hans Nolte.Das Ensemble vereint Kirche, Gemeindesaal, Gruppenräume, Kindergarten, Altentagesstätteund Pfarrwohnungen unter einem gemeinsamen Satteldach, das von Süden nach Norden ansteigt und seinen höchsten Punkt über dem Kirchenschiff erreicht. Die für Böhm typischen Vor- und Rücksprünge der Baukörper sind hier ungewöhnlich rechtwinklig ausgeführt, ohne die fließenden Kurven seiner Betonwerke wie dem Wallfahrtsdom Neviges.
Als Material wählte Böhm überwiegend roten Backstein innen wie außen und damit bewusst einen Bezug zur Ruhrgebiet-Backsteinbautradition. Sichtbeton kommt gezielt nur in der Decke des Kirchenraums zum Einsatz: als sakrales Material“ zur Lichtführung. Fünf gaubenartige Tetraeder-Dachaufsätze leiten Tageslicht von oben in den Kirchenraum und betonen den Chorbereich. Der Zugang erfolgt durch eine Tür in einer großen buntglasten Portalfläche von Hildegard Bienen.
Die vollständig erhaltene Originalausstattung Flügelaltar (Theo Heiermann), Kreuzweg (Hildegard Schürk-Frisch), spätgotische Madonna, Taufaltar bildet mit dem Backsteinraum eine von Böhm angestrebte Synthese aus Einfachheit und Schönheit.Denkmalschutz seit 2004 (Gemeindezentrum) / seit 2023 (Gesamtensemble)
Adresse: Holtkamp 40, 45886 Gelsenkirchen-Ückendorf
Verwaltungsgebäude Gussstahlwerk Gelsenkirchen Ückendorf

Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Gelsenkirchener Gussstahl- und Eisenwerke (Bochumer Straße 86, 45886 Gelsenkirchen) wurde von 1916 bis 1919 nach Plänendes Stadtbaumeisters Theodor Waßer errichtet einem der führenden Vertreter des regionalen Backsteinexpressionismus in Gelsenkirchen.
Architektonisch folgt der viergeschossige Bau dem Stil des Historismus: Der auf einem rechteckigen Grundriss errichtete Putzbau weist eine streng gegliederte Fassade auf. In den beiden unteren Geschossen dominieren Rundbogenfenster, in denoberen Geschossen rechteckige Sprossenfenster. Eine horizontale Quaderung trennt die beiden Geschosspaare optisch voneinander. Die Hauptfassade betont ein nur leicht vorspringender Mittelrisalit, der mit einem Zahnschnittries unter dem Mansardgeschoss abschließt. Die Eingangshalle wurde 1993 im Rahmen der Sanierung mit neoklassizistischen Formen neu gestaltet; der Berliner Künstler Andreas Karl Schulze schuf dort eine Wandarbeit. Die geradlinigen Arkadenbögen des Erdgeschosses trugen ursprünglich Darstellungen der vier Elemente und Erdteile.
Nach Produktionseinstellung 1984 und dem Abriss der Fabrikgebäude 1985 blieb das Verwaltungsgebäude als einziges Relikt des einstigen Industriestandorts erhalten.
Es steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.
Adresse: Bochumer Straße 86, 45886 Gelsenkirchen-Ückendorf
Wissenschaftspark Gelsenkirchen Ückendorf

Der Wissenschaftspark Gelsenkirchen (Munscheidstraße 14, 45886 Gelsenkirchen) wurde 1989 bis 1995 nach Plänen des Münchener Architekten Prof. Uwe Kiessler (Kiessler + Partner Architekten) auf dem Gelände des ehemaligen Gussstahlwerks Rheinelbe errichtet. 1995 erhielt er den Deutschen Architekturpreis der Bundesarchitektenkammer; 1998 folgte der Constructec-Preis für Europäische Industriearchitektur.
Das Herzstück des Entwurfs ist ein rund 300 Meter langes, langgezogenes Gebäude mit einer vollständig verglasten Pultdach-Arkade zur Parkseite hin – eine lichtdurchflutete Magistrale, die als Ausstellungshalle, Begegnungsraum und innere Erschließungsachse dient. Senkrecht dazu sind neun dreigeschossige Institutspavillons aufgereiht, die jeweils Büro- und Laborfächen für Mieter aus Technologie und Forschung beherbergen. Kiessler platzierte die Baukörper bewusst an den östlichen Rand des Grundstücks, um im Westen einen großzügigen englischen Landschaftsgarten mit See und Fontäne zu ermöglichen.
Die Glasfassade schafft ein faszinierendes Spiel aus Reflexion und Brechung zwischen Innen und Außen – betont durch die Lichtinstallationen des amerikanischen Künstlers Dan Flavin an den Aufzugsschächten. Auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage – bei ihrer Errichtung 1996 eine der größten Dachanlagen weltweit.
Grundfläche: 23.600 m² | Bruttogrundfläche: 27.200 m²
Website: www.wipage.de