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Ratskooperation strebt Abwahl von AfD-Bürgermeister Norbert Emmerich an
Breites zivilgesellschaftliches Bündnis und Ratsmehrheit fordern Konsequenzen nach umstrittenem Social-Media-Video.
GELSENKIRCHEN, 18. Juni 2026 – | lt. SPOTLIGHT

Im Gelsenkirchener Stadtrat zeichnet sich eine weitreichende politische Dynamik ab. Die tragende Ratskooperation, bestehend aus SPD, CDU, Grünen und FDP, plant nach intensiven Vorbesprechungen, in einer der kommenden Sitzungen den formalen Antrag zur Abwahl des Bürgermeisters Norbert Emmerich (AfD) einzubringen.
Hintergrund der interfraktionellen Initiative ist ein massiv in die Kritik geratenes Social-Media-Video der Gelsenkirchener AfD-Chefin und Landtagsabgeordneten Enxhi Seli-Zacharias, in dem auch Emmerich sowie weitere Parteivertreter zu sehen sind. Die Aufnahmen führten bereits zu Ermittlungen des Staatsschutzes; aktuell prüft die Staatsanwaltschaft Köln den Verdacht auf Volksverhetzung und Nötigung.
Das Video hat in der Gelsenkirchener Zivilgesellschaft spürbare Entrüstung ausgelöst. Ein breites Bündnis aus Kulturschaffenden, Künstlern und Institutionen – darunter das Musiktheater im Revier, das Consoltheater sowie Alt-Oberbürgermeister Frank Baranowski – fordert in einem offenen Brief des Kulturbeirats die sofortige Enthebung Emmerichs aus seinem repräsentativen Amt. In der Erklärung wird betont, dass in dem Videomaterial Menschen herabgewürdigt, rassistisch behandelt und vor laufender Kamera öffentlich gedemütigt würden, was in einer demokratischen Stadtgesellschaft absolut unakzeptabel sei.
Das rechtliche Verfahren für eine Abwahl stellt die Fraktionen jedoch vor erhebliche mathematische Herausforderungen. Gemäß der gesetzlichen Vorgaben ist für eine erfolgreiche Absetzung eine strikte Zweidrittelmehrheit aller stimmberechtigten Ratsmitglieder erforderlich. Bei insgesamt 67 Stimmen inklusive Oberbürgermeisterin Andrea Henze liegt die notwendige Hürde bei 45 Ja-Stimmen. Da das Kooperationsbündnis selbst über 38 Stimmen verfügt, ist es zwingend auf die Unterstützung weiterer Kräfte angewiesen. Zwar signalisierten Die Linke und das Bündnis AUF bereits feste Zustimmung, womit das Quorum in Reichweite rückt, dennoch bleibt das Vorhaben aufgrund möglicher krankheitsbedingter Ausfälle rechnerisch äußerst knapp.
Zudem gilt es als politisch wahrscheinlich, dass die Abstimmung auf Antrag der AfD-Fraktion geheim durchgeführt wird. Da bereits bei Emmerichs ursprünglicher Wahl vereinzelte Abweichler innerhalb der Kooperation verzeichnet wurden, birgt dieses Szenario zusätzliche Unwägbarkeiten. Als mögliche Termine für das Verfahren stehen eine Sondersitzung am 29. Juni sowie die reguläre Ratssitzung am 9. Juli im Raum. Parallel dazu wird im Rat über die von der Zivilgesellschaft geforderte Abwahl Seli-Zacharias‘ vom Vorsitz des Ordnungsausschusses debattiert, wobei hierzu in Teilen der Kooperation noch rechtlicher und politischer Klärungsbedarf angemeldet wurde.

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