Der leitende Kriminaldirektor Carsten Berg, Oberbürgermeisterin Karin Welge und der BKA-Vizepräsident Michael Kretschmer bei der Unterzeichnung. Bildrechte: Stadt Gelsenkirchen.Bildrechte: Stadt Gelsenkirchen


BKA-Analyse-Tool „ELSA“ für evidenzbasierte lokale Sicherheitsanalysen

  1. November 2022, | Stadt Gelsenkirchen
Der leitende Kriminaldirektor Carsten Berg, Oberbürgermeisterin Karin Welge und der BKA-Vizepräsident Michael Kretschmer bei der Unterzeichnung. Bildrechte: Stadt Gelsenkirchen.


Für mehr Sicherheit auf lokaler Ebene: Die Oberbürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen Karin Welge, der Leiter der Direktion Kriminalität der Polizei Gelsenkirchen Carsten Berg und der Vizepräsident beim Bundeskriminalamt Michael Kretschmer unterzeichnen heute in Gelsenkirchen eine Kooperationsvereinbarung über die Implementierung und Evaluation für das Analysetool ELSA.
Die Abkürzung ELSA steht für „evidenzbasierte lokale Sicherheitsanalysen“. Das vom Bundeskriminalamt entwickelte Tool ermöglicht lokalen Behörden, ressortübergreifend und empirisch fundiert Analysen zu Wohnvierteln zu generieren, um passende Maßnahmen und Ressourcenentscheidungen zur Erhöhung der Sicherheit zu treffen.
Die Stadt Gelsenkirchen ist Partner im Pilotprojekt bei der Entwicklung von ELSA. Mit Hilfe des Analysewerkzeugs werden auf Ebene der Raum-Entwicklungs-Bezirke Gelsenkirchen (REGE-Bezirke) bei der Stadt und der Polizei systematisch Informationen zusammentragen und auswertbar gemacht.
Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Karin Welge: „Wir werden nun gemeinsam mit der Polizei und dem Bundeskriminalamt das entwickelte Frühwarnsystem zunächst in den Bereichen Sicherheit und Ordnung sowie Integration einsetzen, um langfristig drohende Fehlentwicklungen erkennen zu können. Durch die gleichzeitige Beobachtung und Auswertung unterschiedlichster Gebiete werden sehr viel früher Hinweise auf mögliche Entwicklungen erwartet, als es durch eine eindimensionale Auswertung möglich ist. So schaffen wir in Gelsenkirchen die Möglichkeit, das mittel- und langfristige Wirken städtischer Maßnahmen in Bereichen wie Sicherheit und Ordnung, Sauberkeit und Integrationsarbeit zu überwachen und die Verteilung von Ressourcen für die beteiligten Arbeitsbereiche gesamtstädtisch zu planen und zielgerichtet einzusetzen.“
Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin denkt dabei etwa an den frühzeitigen Ankauf von Problemimmobilien, bei dem die Stadt bereits Vorreiter in Deutschland ist, die Stärkung gezielter Sozialarbeit in ausgewählten Quartieren, das Erkennen von Einsatzschwerpunkten für den städtischen Reinigungsbetrieb und den Kommunalen Ordnungsdienst sowie den Ausbau von Ordnungspartnerschaften vor Ort. Welge weiter: „So ein Frühwarnsystem hilft uns bei strategischen Überlegungen im Hinblick auf den Einsatz der zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen Ressourcen.“
Für die Polizei Gelsenkirchen eröffnet die Teilnahme an dem Pilotprojekt die Möglichkeit, die bereits seit Jahren bestehende Ordnungspartnerschaft in der Stadt weiter auszubauen und zu stärken. So soll ELSA den Partnern einen noch genaueren Blick auf die Entwicklungen in den einzelnen städtischen Bereichen ermöglichen, um für sich abzeichnende Problemstellungen gemeinsam passende Strategien entwickeln und entsprechende Maßnahmen initiieren zu können. „Mit ELSA erweitern wir unseren Werkzeugkoffer um ein Instrument, das es uns ermöglicht, negative Trends frühzeitig zu erkennen. So können wir schon in einem frühen Stadium eingreifen und gemeinsam als Ordnungspartner an den richtigen Stellschrauben drehen, um Sicherheit und Ordnung zu garantieren“, sagte Carsten Berg, Leiter der Direktion Kriminalität der Polizei Gelsenkirchen.
„Um vorausschauend zu handeln, müssen frühzeitig Indikatoren für bestimmte Entwicklungen zu einem Gesamtbild zusammengeführt werden. Kriminalität hat verschiedenste Ursachen, deren Verhütung immer eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, bei der gesellschaftliche, behördliche und politische Akteure und Akteurinnen mit Strafverfolgungsorganen Hand in Hand arbeiten müssen“, sagt BKA-Vizepräsident Michael Kretschmer. „Das Tool ELSA soll helfen, zu einem evidenzbasierten Gesamtbild der lokalen Sicherheitssituation zu gelangen, um so geeignete Maßnahmen aufzulegen oder zu verstärken. Unsere Anwendungsorientierte Forschung im BKA ist für die Zusammenarbeit in Sachen Sicherheit auf Bund-, Länder und lokaler Ebene ein wichtiger Baustein: Das Analysetool ELSA ist ein Beispiel, wie Erkenntnisse aus der kriminologischen Forschung für die Praxis anwendbar gemacht werden kann. Das BKA wird die Einführung weiterhin wissenschaftlich begleiten, beratend zur Seite stehen und mit Hilfe einer Evaluierung weiterentwickeln.“
Das Analysewerkzeug ELSA
Im Tool ELSA werden in acht Modulen Einflussfaktoren auf die lokale Sicherheit zu Themen wie Kriminalität, Ordnung, Kriminalprävention, Behördenkooperation, Ressourcen, Infrastruktur, Wirtschaft und Demografie abgefragt. Aufgenommen werden Daten, die den lokalen Behörden zum größten Teil bereits vorliegen, wie Statistiken und Behördenanfragen. Dazu kommen Mitarbeitendenbefragungen. Nach Erfassung und Auswertung werden die Ergebnisse mit einem Ampelsystem visualisiert und es wird erkennbar, bei welchen Einflussfaktoren für Kriminalität in den Quartieren Handlungsbedarf besteht.
ELSA ermöglicht so einen evidenzbasierten Vergleich von Bedingungen in Stadtvierteln, die auf die Sicherheit Einfluss haben, und generiert Ansätze für den gezielten Einsatz von Ressourcen wie Bestreifung durch die Polizei, den Kommunalen Ordnungsdienst oder den Ausbau von Sozialarbeit. Außerdem zeigt das Tool Zusammenhänge zwischen den Faktoren an und kann, über mehrere Jahre angewendet, die Wirkung von Maßnahmen monitoren.
Das Bundeskriminalamt entwickelte das Analyse-Tool im Rahmen seiner Zentralstellenfunktion, in der es unter anderem Serviceleistungen und Tools wie ELSA entwickelt und Polizeibehörden sowie Sicherheitspartnern zur Verfügung stellt.
Weitere Informationen sowie das Anwenderhandbuch ELSA sind auf der Website des BKA abrufbar:

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