Finale zum Deutschen Kita-Preis – Gelsenkirchen ist dabei. Bildrechte: Stadt Gelsenkirchen – Gerd Kaemper


Fachgremium machte sich in Ückendorf ein Bild vom Bildungsbündnis

19. Januar 2023 | Stadt Gelsenkirchen

GeKita-Geschäftsführerin Holle Weiß und Stadträtin Anne Heselhaus informierten Peter Bleckmann über das Projekt “Zukunft früh sichern”. Bildrechte: Stadt Gelsenkirchen – Gerd Kaemper

Das Bundesfamilienministerium und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung verleihen im Jahr 2023 bereits zum sechsten Mal gemeinsam mit weiteren Partnern den „Deutschen Kita-Preis“. Die begehrte Auszeichnung könnte in diesem Jahr nach Gelsenkirchen gehen: Hier zählt das Bildungsbündnis „ZUSi – Zukunft früh sichern!“ zu den zehn Finalisten der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“.

Am Donnerstag, 19. Januar, hat Peter Bleckmann vom Institut „Welt:Stadt:Quartier“ als Experte die Gelsenkirchener Initiative besucht, um sich ein umfangreiches Bild von der Arbeit vor Ort zu machen. Exemplarisch für die Arbeits- und Wirkungsfelder des ZUSi-Bündnisses gab es dabei Einblicke in den Förderalltag der städtischen Kita und des Familienzentrums Hohenfriedberger Straße. Diese ist mit über 130 Kindern die größte plusKita-Einrichtung im Sozialraum mit einer engagierten Elternschaft und einer intensiven Kooperation mit der benachbarten Grundschule.

Verschiedene Blickwinkel auf das Projekt

Neben Gruppeninterviews mit verschiedenen Bündnis-Mitgliedern war Peter Bleckmann dabei eingeladen, in einem gemeinsamen Workshop im Wissenschaftspark seine Arbeit zu reflektieren und Impulse für die Zukunft mitzunehmen. Unter anderem kamen bei diesem Besuch Jugend- und Bildungsdezernentin Anne Heselhaus, GeKita Betriebsleiterin Holle Weiß, Geschäftsbereichsleiterin Alexandra Bansemir, ZUSi-Projektkoordinator Sebastian Gerlach, GeKita-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, aber auch Sozialpädagoginnen und zwei Mütter zu Wort und konnten von ihren Erfahrungen mit „ZUSi“ berichten. Die Ergebnisse des Besuchs fließen nun in umfangreiche Berichte zu jedem Finalisten-Bündnis ein, anhand derer eine vielfältig besetzte Fachjury anschließend die Preisträger auswählt.

„Das Bündnis hat uns im bisherigen Auswahlprozess überzeugt, da es Kindern durch systematische Methoden Chancen und Perspektiven eröffnet. Im Fokus der Bündnisarbeit stehen immer die Kinder selbst: Bereits in der Kita fördern zusätzliche pädagogische Fachkräfte, die „Bildungsbegleiter/-innen“, die Kinder in ihren Talenten und begleiten sie auf ihrem Bildungsweg bis in die Grundschule. Dabei werden sowohl die Lebenslagen der Kinder als auch ihre individuelle Entwicklung in den Blick genommen“, hob das Expertenteam lobend hervor.

Ob das Bündnis „ZUSi – Zukunft früh sichern!“ zu den Preisträgern gehört, erfährt es bei der Preisverleihung im Mai 2023 in Berlin. Die Erstplatzierten der beiden Kategorien erhalten jeweils 25.000 Euro, vier Zweitplatzierte pro Kategorie können sich auf je 10.000 Euro freuen. Insgesamt haben sich rund 750 Kitas und lokale Bündnisse um den Deutschen Kita-Preis 2023 beworben.

Bildungsarmut entgegenwirken

Und was macht das Gelsenkirchener Projekt so besonders? „ZUSi“ entstand im Stadtteil Ückendorf als Antwort auf eine Studie der AWO im Jahre 2019 zum Thema Kinderarmut. In Ückendorf wurde der Zusammenhang von Armut und verminderten Bildungschancen besonders deutlich: In vielen Familien fehlt es nicht nur an Geld, sondern auch an Deutschkenntnissen, um die Talente der eigenen Kinder mit Hobbys, Sportangeboten oder dem Besuch von kulturellen Einrichtungen zu fördern. Soziale oder gesundheitliche Beeinträchtigungen trugen ebenfalls zur Bildungsarmut bei.

Etwa sieben von zehn Kindern (im Alter bis neun Jahren) in Ückendorf leben in Familien mit Migrationshintergrund. Diese sind laut Studien besonders armutsgefährdet, ähnlich wie Alleinerziehende und kinderreiche Familien. Bei Beginn des ZUSi-Projekts erreichten die Kinder aus ärmeren Familien in Hinblick auf Sprach- und soziale Kompetenzen sowie auf die motorische Entwicklung nur 50 Prozent der altersgemäßen Fähigkeiten. Diese Entwicklungsverzögerungen auszugleichen und die verborgenen Talente der einzelnen Kinder gezielt zu fördern, das hat sich das Projekt „ZUSi“ auf die Fahnen geschrieben. Dass der Ansatz fruchtet, zeigt sich inzwischen auch in den Zwischenergebnissen der AWO-ISS-Langzeitstudie zur Kinderarmut. Zudem hofft man, mit einem frühen Zugang zu Bildung und Förderung auch den Weg für die Zukunft zu sichern und dem wachsenden Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken. Als Bildungsbegleiterin hilft die Sozialpädagogin Farzana Mecklenbrauck unter anderem dabei, die Kinder an Sportvereine und Kunstprojekte zu vermitteln und Anbieter in die Kita zu holen.

Gemeinsame Aktivitäten

Daumen Hoch für Gelsenkirchen. Experte Peter Bleckmann freut sich mit Nadine Rückert und Julia Saalmann zusammen mit den Kindern über die Nominierung zum Finale. Bildrechte: Stadt Gelsenkirchen – Gerd Kaemper

Die Kinder besuchen gemeinsam einen Bauernhof – oder lassen sich vom Revierförster durch den angrenzenden Industriewald auf Rheinelbe führen. Sie bekommen die Gelegenheit, naturwissenschaftliche Experimente zu machen oder über die Musikschule verschiedene Instrumente auszuprobieren. Als besonders hilfreich in der Vernetzung der Akteure vor Ort hat sich dabei die „ZUSi“-App erwiesen, mit der die Projektbeteiligten, Kita-Fachkräfte, Eltern und Kinder untereinander vernetzt sind. Hier können Wünsche geäußert werden – und neue Projekte oder Angebote vorgestellt werden. Zudem gibt es einen Medienverleih und Tauschbörsen. „Von der Bildungsbegleitung bei ZUSi profitieren Kinder aus allen Familien in Ückendorf, nicht nur jene aus armen Familien“, betont Bildungsdezernentin Anne Heselhaus. „Ziel des Projektes ist die Gestaltung von Strukturen, die jedem Kind, unabhängig vom sozialen und biographischen Hintergrund, eine erfolgreiche und lückenlose Bildungsbiographie ermöglicht, also Zukunft früh sichert“, fügt sie hinzu.

Nachhaltige Strukturen schaffen

„Jedes Kind wird einzeln betrachtet und passgenau gefördert. Die Kinder können sich in allen Bereichen selbst ausprobieren. Alle haben die Möglichkeit, Talente zu entdecken und weiter zu verfolgen“, erklärt Projektkoordinator Sebastian Gerlach. Auch für die Nachhaltigkeit wird gesorgt: Gemeinsam mit den Familien und den Kooperationspartnern werden Wege gesucht, wie die Kinder in ihren Talenten auch nach der Kita-Zeit gefördert werden können.

„Wir würden uns natürlich sehr freuen, mit dem Deutschen Kita-Preis ausgezeichnet zu werden, da dadurch die innovative und engagierte Arbeit der Tageseinrichtungen, auch verbunden mit der Zusammenarbeit in einem Bündnis, entsprechend gewürdigt wird. Die Kinder und Familien hier in Ückendorf haben jetzt schon gewonnen. Elemente des Projektes sollen künftig auf weitere Kitas in Gelsenkirchen übertragen werden“, so GeKita-Betriebsleiterin Holle Weiß

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