Tafel erinnert an die Familie Alexander, die vor der nationalsozialistischen Verfolgung fliehen musste

14. Oktober 2022, | Stadt Gelsenkirchen

Harald Förster, Geschäftsführer der Gelsenkirchener Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft, Oberbürgermeisterin Karin Welge und Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen. Bildrechte: ggw – Olaf Fuhrmann


Die Bauarbeiten sind abgeschlossen – das viergeschossige Gebäude mit geschwungenem Baukörper und aufgesetztem Staffelgeschoss prägt den Kreuzungsbereich der Bochumer Straße mit der Virchowstraße. Heute haben Oberbürgermeisterin Karin Welge und Harald Förster, Geschäftsführer der Gelsenkirchener Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH, das Haus vorgestellt – und gleichzeitig einen neuen Erinnerungsort der Stadt Gelsenkirchen eingewei„Wir haben hier an der Bochumer Straße mit dem Virchowbogen ein weiteres eindrucksvolles Stück Zukunft gebaut. Gleichzeitig aber haben wir auch einen Ort geschaffen, um Erinnerung zu bewahren. Das ist das Besondere an dem, was wir heute vorstellen wollen. Als die ggw den Abbruch der Problemimmobilie an der Bochumer Straße 167 begann, wusste man noch nicht, dass sich hinter den Mauern auf der Giebelfassade des Nachbargebäudes eine historische Werbemalerei befand“, erinnerte Oberbürgermeisterin Karin Welge an den Fund des historischen Schriftzugs, der vermutlich um 1910 für das Textilgeschäft der Familie Alexander warb.

Im Bild: Oberbürgermeisterin Karin Welge, Harald Förster, Geschäftsführer der Gelsenkirchener Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft, Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen, Lukas Günther, Vorsitzender des Aufsichtsrates und Werner Wöll, Aufsichtsrat ggw. Bildrechte: ggw – Olaf Fuhrmann

„Dem, was wird, ist das, was ist, immer in irgendeiner Form eingeschrieben, liegt ihm zugrunde. Und hier wird es ganz besonders sinnfällig. Denn es ist eine Schrift, eine Inschrift, die hier von der Vergangenheit zeugt – und die dieses Zukunftsprojekt begleiten wird. Um die Erinnerung an den historischen Schriftzug und seine Geschichte aufrecht zu erhalten wurden im Austausch mit der unteren Denkmalbehörde, der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen und dem Institut für Stadtgeschichte Ideen entwickelt und umgesetzt. Und so können wir Innern des Gebäudes einen Teil des Originals hinter einem Glasfenster weiterhin betrachten. Wir erinnern damit an die Familie Alexander, die vor der nationalsozialistischen Verfolgung fliehen musste, weil sie als Juden entrechtet und schließlich aus der Stadt vertrieben wurden.“
Im Hauseingangsbereich des Neubaus ist nun eine großformatige Alu-Dibond-Tafel mit einem Bild der kompletten Giebelfassade montiert. Im 3. Obergeschoss wurde in der Giebelwand eine Festverglasung im Bereich des „Ü“s eingesetzt, damit ein Blick auf einen Teil der ursprünglichen Werbeschrift dauerhaft bestehen bleibt. Rechts neben dem “Ü“ wurde eine weitere Tafel angebracht, auf der der vollständige Werbeschriftzug zu sehen ist. Das “Ü” soll übrigens auch die Verbindung zum Stadtteil Ückendorf herstellen. Außerdem wurde der Standort als Erinnerungsort ins entsprechende Verzeichnis beim Institut für Stadtgeschichte aufgenommen und an der Fassade des Gebäudes eine Erinnerungsortetafel angebracht.
Auf rund 1.500 m² Gesamtwohnfläche sind insgesamt 24 barrierarme und moderne Wohnungen für Ein- und Zwei-Personenhaushalte entstanden. 20 dieser Wohnungen sind aufgrund der überwiegend in Anspruch genommenen öffentlichen Wohnraumförderung zu attraktiven Mietkonditionen von anfänglich 5,80 €/m² vermietet worden.

Im Bild: Oberbürgermeisterin Karin Welge, Harald Förster, Geschäftsführer der Gelsenkirchener Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft, Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen, Lukas Günther, Vorsitzender des Aufsichtsrates und Werner Wöll, Aufsichtsrat ggw. Bildrechte: ggw – Olaf Fuhrmann


Die vier Wohnungen im Staffelgeschoss sind frei finanziert und werden voraussichtlich zum marktüblichen Mietzins vermietet. Alle Wohnungen sind durch einen Aufzug zu erreichen und verfügen über Loggien oder Dachterrassen bei Wohnflächen zwischen 55-60 m². Darüber hinaus bestechen die Wohnungen durch helle Wohnräume und großzügige, offene Grundrisse.
„Der Virchowbogen ist ein gutes Beispiel für das, was wir an vielen Stellen der Stadt derzeit tun und auch künftig noch tun werden: Nämlich gezielt Problemimmobilien vom Markt zu nehmen, sie zu sanieren oder niederzulegen und Neues entstehen zu lassen. Das ist ein entscheidender Baustein, um Stadtquartiere zu stabilisieren und weiterzuentwickeln. Und hier in Ückendorf entlang der Bochumer Straße sehen wir, dass diese Strategie Früchte trägt“, so Oberbürgermeisterin Karin Welge.

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