Nachforschungen des Instituts für Stadtgeschichte ergaben, dass die Inschrift um 1910 entstand.

14. Oktober 2022 I Institut für Stadtgeschichte

Foto: Institut für Stadtgeschichte
 

Die Wandmalerei war nicht sehr lange sichtbar: Das damalige danebenliegende (und nun abgerissene) Gebäude wurde 1911 errichtet. Zudem verlor der Hinweis auf das Bekleidungsgeschäft in der Bahnhofstraße 83 bald seine Bedeutung, zogen die Brüder Alexander doch während des Ersten Weltkriegs mit ihrem Geschäft in die Augustastraße. Später erwarben Jakob und Fritz Alexander dann in der Bahnhofstraße 48-52 das weithin bekannte Kaufhaus Carsch & Co und brachten es zu großer Blüte. In direkter Nähe eröffneten sie ein weiteres Kaufhaus, das KaPe Kleinpreisgeschäft, in der Bahnhofstraße 42/42a. Die Familien der Brüder Alexander gehörten zu den bedeutenden Kaufleuten in der Stadt.

Die Brüder Jakob und Fritz Alexander kamen ursprünglich aus Werther, Westf. Sechs der insgesamt acht Geschwister siedelten sich in Gelsenkirchen an, sie waren fast alle Kaufleute. Lediglich Hugo Alexander wurde Arzt mit einer Praxis in der Bahnhofstraße. Infolge der nationalsozialistischen Verfolgung waren sie gezwungen, ihre Geschäfte weit unter Wert zu verkaufen. Noch im selben Jahr flohen sie mit ihren Familien nach Brasilien. Von den siebzehn Mitgliedern der Alexander-Familie in Gelsenkirchen kehrte nach dem Krieg niemand mehr nach Gelsenkirchen zurück. Fast 110 Jahre lang war die Werbeinschrift verdeckt. Das Wandbild erinnert an die Bedeutung, die die Familiengeschichte der Brüder Alexander für die aufstrebende Stadt Gelsenkirchen, aber auch für die Erinnerung an die NS-Vergangenheit hat. Seit seiner Freilegung begann sie allerdings zu verblassen – Licht, Feuchtigkeit und Feinstaub machen sich langsam bemerkbar. Die Werbeschrift wurde als „denkmalwürdig“ erachtet und ist 28. Oktober 2021 als „Baudenkmal“ unter Schutz gestellt. Die Eigentümer des neugebauten Hauses, Gelsenkirchener Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH, hatten schon vor dieser Entscheidung entschieden, einen Teil des Originals, durch eine Glasplatte geschützt, sichtbar zu lassen. Ein großformatiges Foto der Wandreklame wurde nach Fertigstellung des Wohnhauses im Inneren angebracht. Die Stadt Gelsenkirchen informiert mit einer Erinnerungsorte-Tafel am Haus über die Geschichte der Gebrüder Alexander und ihren Familien

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Oberbekleidung J.Alexande Bahnhofstr.83 Foto: von Privat
Oberbekleidung J.Alexande Bahnhofstr.83 Foto: von Privat
Die freigelegte Wandinschrift nach Abrissarbeiten. Foto: Institut für Stadtgeschichte
Die Erinnerungsorte-Tafel am Neubau der ggw an der Bochumer Str. 167. Foto: Institut für Stadtgeschichte
Erinnerungsorte-Tafel am Eingang zum Haus Bochumer Str. 167. Foto: Gelsenkirchener Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH
Blick in die 3. Etage des Neubaus. Foto: Gelsenkirchener Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH
Die Wandinschrift im Treppenhaus des Neubaus der ggw an der Bochumer Str. 167. Foto: Gelsenkirchener Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH

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