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 Die Geschichte der Diskothek „Exodus“ in Gelsenkirchen-Ückendorf

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Gelsenkirchen-Ückendorf, 8. März 2026 | ueckendorf-aktuell.de Willi Müller

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Mit dem Abriss des Gebäudes an der Bochumer Straße 134 verschwindet ein Stück Ückendorfer Geschichte. Über viele Jahrzehnte war dieser Ort ein wichtiger Treffpunkt für Kultur, Unterhaltung und Nachtleben. Viele Menschen erinnern sich an ihn – als Kino, Veranstaltungsort und später als Diskothek „Exodus“.

Vom Kino zum Veranstaltungsort

Das Gebäude entstand Anfang des 20. Jahrhunderts, als Ückendorf durch Bergbau und Industrie stark wuchs. Zunächst wurde es als Stadtteilkino genutzt. Solche Lichtspielhäuser waren wichtige Treffpunkte für Arbeiterfamilien und Jugendliche.

Nachdem kleinere Kinos an Bedeutung verloren, wurde der große Saal für Theateraufführungen, Varieté, Vereinsveranstaltungen und zeitweise auch für sportliche Events wie Boxkämpfe genutzt.

Die Zeit der „Altstadtdisco“

Anfang der 1970er-Jahre eröffnete an der Bochumer Straße 134 die Altstadtdisco, die schnell zu einem beliebten Treffpunkt für junge Menschen aus Gelsenkirchen und Nachbarstädten wurde. Mit großer Tanzfläche, Lichtanlage und DJs entsprach sie dem typischen Disco-Stil dieser Zeit. Gespielt wurden Disco-Hits der 1970er-Jahre sowie später Pop- und Chartmusik. Wochenenden waren besonders gut besucht.

Ein bemerkenswertes Detail: Auch der spätere Sänger Nino de Angelo trat hier auf – noch bevor sein Hit „Jenseits von Eden“ bekannt wurde.

Das „Exodus“

Später wurde die Diskothek modernisiert und erhielt den Namen „Exodus“ (auch „Exodos“). Über viele Jahre gehörte der Club fest zum Gelsenkirchener Nachtleben. Das Publikum war bunt gemischt: Lehrlinge, junge Arbeiter, Bergleute, Schüler und Studenten aus der ganzen Region. Für viele Jugendliche war das Exodus nicht nur eine Disco, sondern auch ein sozialer Treffpunkt.

Musikalisch spiegelte der Club den Zeitgeist wider – von Disco über Pop der 1980er bis zu Dance- und Clubmusik späterer Jahre.

Wandel und neue Nutzung

Ab den 1990er-Jahren veränderte sich das Nachtleben im Ruhrgebiet. Viele Besucher orientierten sich stärker an größeren Clubs in Städten wie Bochum, Essen oder Dortmund. Der Betrieb im Exodus ging zurück und wurde schließlich eingestellt. In späteren Jahren wurde das Gebäude nur noch gelegentlich für kulturelle Veranstaltungen genutzt, etwa im Rahmen des inzwischen eingestellten Formats „Stadtgebeat“.

Die ehemalige Altstadt-Disco soll nun neues Leben erhalten. Schon seit einiger Zeit kursiert im Quartier die Idee, die Halle wieder zu nutzen. Mit Blick auf die kommende Extraschicht scheint dieses Vorhaben nun konkrete Formen anzunehmen. Für die lokale Kreativszene könnten sich dadurch attraktive Möglichkeiten eröffnen: Die Halle würde Raum für größere Veranstaltungen und neue Veranstaltungsformate bieten – und an einem Ort, der einst für legendäre Nächte bekannt war, könnte wieder kulturelles Leben einziehen.

Ein Ort voller Erinnerungen

Für viele ehemalige Besucher bleibt das Exodus ein wichtiger Teil ihrer Jugend. Die Geschichte des Hauses zeigt, wie sich ein Ort über mehr als ein Jahrhundert verändern kann – vom Kino über Theater und Diskothek bis hin zu einem potenziellen Kulturraum im heutigen Ückendorf.

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