Modellprojekt auf dem Gelände des Wissenschaftspark

Foto © W. Müller

Text: Klimabündnis Gelsenkirchen-Herten e.V.

Gelsenkirchen ist nun auch Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Die Solarstadt, die sich mit der „ersten Solarsiedlung des Ruhrgebiets“ und der „größten Photovoltaik-Wohnsiedlung Deutschlands“ schmücken kann, ist nun auch bei einem neuen Landesprojekt ganz vorn dabei: Als erste von „100 Klimaschutzsiedlungen in Nordrhein-Westfalen“ ist ein vorbildliches Passivhausprojekt an prominenter Stelle in Sichtweite des Wissenschaftsparks Gelsenkirchen nun fertig gestellt. Die neue Modellsiedlung zeigt, dass Klimaschutz, anspruchsvolle Architektur, energiesparendes Bauen und sozialer Wohnungsbau keine Gegensätze darstellen. Die hohen Anforderungen der aktuellen Energie-Einsparverordnung für Neubauten konnten um 50-60 % übertroffen werden.

Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski sieht in dem Vorhaben „Wohnpark Rheinelbestraße“ nicht nur einen handfesten Beitrag zum Klimaschutz und eine gute Ergänzung zum Wissenschaftspark, sondern auch einen wichtigen Impuls für den Stadtteil. „Die Klimaschutzsiedlung ist ein idealer Auftakt für unsere städtebaulichen Erneuerungen rund um den Bau des neuen Justizzentrums und wird die Gelsenkirchener Neustadt und die Bochumer Straße aufwerten“, sagte Baranowski. Architektur und Farbkonzept der Häuser fügen sich zudem in das denkmalgeschützte Wohnumfeld der Rheinelbestraße ein. Insgesamt sind in Gelsenkirchen-Ückendorf vier viergeschossige Gebäude mit 56 Wohneinheiten zwischen 45 und 82 m² entstanden. Das Projekt wurde nach ca. zweijähriger Planungs- und Bauphase im Juli 2011 fertiggestellt und mit über 210.000 Euro von der Landesregierung unterstützt.

Die Kombination aus hocheffektiver Gebäudedämmung, Solarenergienutzung, effizienter Heiztechnik und kontrollierter Lüftung mit Wärmerückgewinnung ermöglicht es, den für Klimaschutzsiedlungen vorgeschriebenen niedrigen CO2-Emissions-Grenzwert von 9 Kg/m² pro Jahr zu erfüllen. Der Wärmeenergiebedarf beträgt unter 15 kWh/m² pro Jahr und entspricht den strengen Normen des Passivhaus-Standards. Architekt Helmut Mohr resümiert: “Hier können wir zeigen, dass Klimaschutz auch für Menschen mit wenig Geld möglich ist”. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Neubau verbraucht ca. 60-80 kWh/m² pro Jahr, für den durchschnittlichen Wohngebäudebestand in Deutschland beträgt der jährliche Heiz- und Warmwasser-Energiebedarf sogar ca. 220-280 kWh/m², dies entspricht einem Verbrauch von ca. 220-280 Liter Heizöl.

Die umweltfreundliche Wärmeversorgung in der Ückendorfer Klimaschutzsiedlung erfolgt zentral mit Solarthermie, Erdgas-Brennwerttechnik und einem Pufferspeicher. Dieser ist im Keller eines Gebäudes untergebracht und wird vorrangig über die 25 m² große Solarkollektorfläche aufgeheizt, die auf dem Dach desselben Hauses angeordnet ist. Wenn nötig erfolgt die Nachheizung über die Brennwerttherme. Jeweils eine Leitung bringt die Wärme vom Pufferspeicher in die Gebäude wo sie in jeder Wohnung mit einer Übergabestation weiter verteilt wird. Über diese Übergabestationen wird die Lüftungs-Zuluft in den Wohnungen nacherwärmt, ein Zusatzheizkörper im Bad beheizt und das Frischwasser im Durchlaufprinzip nur für den jeweiligen Bedarf erhitzt. Jede Wohneinheit verfügt über eine gesteuerte Lüftungsanlage, die mithilfe eines Gegenstrom-Wärmetauschers mehr als 90 % der in der Abluft enthaltenen Wärmeenergie zurück gewinnt. Zur weiteren Energieeinsparung sind alle Heizungspumpen und Ventilatoren mit Gleichstrom-EC-Motoren ausgerüstet, sämtliche Beleuchtungsanlagen wurden mit Energiesparlampen ausgestattet. Zusätzlicher Bestandteil des Energiekonzepts sind Photovoltaikanlagen auf den Flachdächern. Mit einer Gesamtleistung von 50 kWp werden so pro Jahr ca. 42.500 kWh CO2-freier Strom erzeugt.

Fotos © W. Müller

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